Nach Bernard Kouchner gehört jetzt auch Fadela Amara (die Gründerin der Vereinigung Ni putes ni soumises) zu den Persönlichkeiten, die die Offensinnigkeit der Regierung von François Fillon beweisen. Sie gibt sich als „sehr geehrt“ von ihrer Nominierung, und tritt der Regierung als Staatssekretärin für die Stadtpolitik bei.

„Links wie rechts werde ich als eine Art Juckpulver betrachtet, als eine aufrichtige und freimütige Frau, die kein Blatt vor den Mund nimmt“ erklärte sie im Radiosender France-Info. „Ich denke, dass Nicolas Sarkozy Respekt davor hat.“ „Als er Innenminister war, haben wir immer ein äusserst aufrichtiges und offenes Verhältnis gehabt. Er wird mich achten, wie ich bin, in dem Kampf, den ich führe, und in dem, was ich Lust zu tun habe.“, fügte die Gründerin von „Ni putes ni soumises“ hinzu. Ich hätte nie „ja“ gesagt, wenn ich nicht eine gewisse Handlungs- und Redefreiheit gehabt hätte.“

Was Christine Boutin, ihre Ministerin, angeht, versichert Fadela Amara, es werde gut funktionieren : die habe sie oft getroffen, und sie habe ein gutes Herz. „Wir werden uns über vieles gut vertehen, vor allem über die Notwendigkeit, die ärmeren Stadtviertel vorwärts zu bringen.“

Diese Aussage wird ihre Alliierten im Kampf gegen den Integrismus und für die Laizität wahrscheinlich aufhorchen lassen. Christine Boutin gehört nämlich zu den gewählten Vertretern, die sich der Laizität am schärfsten entgegenstellen. Sie ist Schirmherrin für Verbände, die gegen die Abtreibung kämpfen, und für fundamentalistische, schwulen- und frauenfeindliche Gruppierungen. Ihre Politik gegenüber den ärmeren Stadtvierteln besteht grundsätzlich darin, diese Stadtteile mithilfe der Religion zu begeistern. Sie fragt sich, ob die Islamisten wirklich für den 11. September verantwortlich sind. Sie begibt sich gerne zur UOIF-Tagung, wo sie hervorhebt, dass alle gläubigen Politiker etwas gemeinsam haben. Übrigens hat sie einen Pfarrer damit beauftragt, ihre Stadtpolitik für dir ärmeren Stadtteile umzusetzen.

Wie frei wird also Fadela Amara sein, eingeklemmt zwischen Christine Boutin und einem Priester ? Wird sie wirklich jedem Missbrauch vorbeugen ? Möglich... Aber mit wie viel Glaubwürdigkeit ? Wie kann man in den Vororten gegen die Frauenfeindlichkeit und für die Laizität kämpfen, wenn man selbst gegenüber dem Integrismus seiner eigenen Ministerin die Augen zudrückt? Welche Folgen wird all dies für den Ruf und die Glaubwürdigkeit der Vereinigung Ni putes ni soumises haben, deren Vorteil doch eben hauptsächlich ihr guter Ruf ist ?

Caroline Fourest http://carolinefourest.canalblog.com/ http://www.prochoix.org/cgi/blog/index.php/2007/06/19/1654-fadela-amara-devient-secretaire-d-etat-de-christine-boutin

Übersetzt aus dem Französischen von M. Magniez und J. Rose.