Am 20. Juni 2005 fand eine interreligiöse Versammlung statt, die von der Vereinigung „Bibel“ im Theater von Neuilly organisiert wurde. Vor den Bewohnern seines eigenen Vorortes nimmt Sarkozy kein Blatt vor den Mund : „Religionen sind etwas Gutes für die Republik... Nur engsinnige Sektierer haben die Laïzität als einen Kampf betrachtet.“ Thema der Auseinandersetzung? „Kann Gott die Republik entbehren ?“ Nicolas Sarkozy sieht das eher umgekehrt. Seiner Meinung nach ist Gott für die Republik unentbehrlich. Vor allem in den ärmeren Stadtvierteln, wo der Mangel an Spiritualität augenscheinlich alle Probleme erklären kann. „Unsere Stadtviertel haben sich in spirituelle Wüsten verwandelt, und ich denke nicht, dass daraus irgendwas Gutes werden kann ... Wenn niemand erklärt, dass Leben kein Konsumprodukt ist, dann muss man sich nicht wundern, dass der Lebenssinn in der Courneuve nicht dergleiche ist wie in Neuilly“ erklärt er an seinen Publikum. Der Innenminister kommt von der „Siedlung der 4000“ in der Courneuve (einem Vorort in Seine-Saint-Denis) zurück, wo ein zwölfjähriges Kind bei Straßenkämpfen zwischen rivalen Cliquen eben erschossen wurde. „Wenn man so was sieht, versteht man, dass die Wahl der Hoffnung zur Notwendigkeit wird.“

„Christ und Politiker“

Bei dem Minister, der sich stolz als „Christ und Politiker“ beschreibt, wird die Religion nämlich immer als eine „Hoffnung“ dargestellt. Woraufhin er sich nur mit einer gespielten Naïvität zu fragen braucht : „Warum wäre das Hoffen eine Gefahr für die Republik ?“ Sein Publikum ist entzückt. „Ich bedauere die Zaghaftigkeit mancher Geistlicher : sie müssen sich nicht entschuldigen, weil sie an das glauben, woran sie glauben“, erklärt er weiter, unter dem Beifall seiner Anhänger... Sind die wohl dazu bereit, im benachbarten Vorort zu missionieren ? Cap’tain Sarkozy ermahnt sie immerhin : „Gläubige Menschen müssen an der öffentlichen Debatte teilnehmen dürfen.“ Auch wenn die Religion zur Ideologie wird und eventuell bügerliche Reaktionen verursacht ? Sarkozy wird sie beschützen. Er beruft sich auf einen Vorfall, bei dem Act-Up-Militanten in Notre-Dame eindrangen und dort eine schwule Hochzeit parodierten, um den Schwulenhass der Kirche anzuprangern. Dann schlägt der Innenminister einen lauteren Ton an und warnt : „Ich lasse nicht zu, dass ein Priester in einer Kirche verhöhnt wird und dass jemand, weil er Muslim ist, nicht seinen Glauben leben und weitergeben darf.“ Ideologen aller Religionen, vertraut ihm !

Caroline Fourest und Fiammetta Vanner. http://www.prochoix.org/cgi/blog/index.php/2007/04/24/1514-nicolas-sarkozy-veut-une-republique-religieuse

Übersetzt aus dem Französischen von M. Magniez und J. Rose.